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POMERANZ COLLECTION

CIPRIAN MURESAN

Ohne Titel
2005
Objekt Holz, H 200 cm
S/W-Druck, 40 x 30 cm
Einzelstück
Inv. Nr. 182

Geboren 1977 in Rumänien
Lebt und arbeitet in Cluj, Rumänien

Ciprian Muresan gehört zu einer Generation von Künstlern, die wie Victor Man, Adrian Ghenie und Serban Savu aus Cluj stammen oder dort leben, und deren Werke von den Wirren im postkommunistischen Rumänien geprägt sind. Muresans Werk beschäftigt sich mit den persönlichen und kollektiven Aspekten der jüngsten Geschichte seines Heimatlandes. Er sucht eine globalere Betrachtung dieser soziopolitischen Themen wie auch direkte Bezüge zur Kunstgeschichte.

Die Buchstaben der ebenso revisionistischen wie provokanten Behauptung Communism Never Happened (Den Kommunismus hat es nie gegeben) bestehen aus Vinyl-Schallplatten von propagandistischen Ansprachen. Muresans Aussage entspricht in ihrer Härte den Prinzipien von Propaganda und Diktatur, während die Schallplatten, die als historische Zeugnisse dienen könnten, in Form geschnitten und damit zum Schweigen gebracht wurden. Angesichts der Umwälzungen der letzten Jahrzehnte, die aus kommunistischen Regimes neoliberale Systeme gemacht haben, will Muresan mit dieser Arbeit darauf aufmerksam machen, dass vielen Jüngeren der Kommunismus wie eine Mär der Alten erscheinen mag.

Der Videofilm Dog Luv, der 2009 im rumänischen Pavillon der Biennale von Venedig präsentiert wurde, verfolgt ein Gespräch zwischen fünf Hundepuppen, den Mitgliedern der sogenannten „Republik Dogmachina“, bei dem sie die Menschheitsgeschichte von der griechischen Antike bis heute und die Lust an Grausamkeit, Folter und Hinrichtungen diskutieren. Der Text basiert auf einem Werk der rumänischen Autorin Saviana Stanescu. Das Geschehen auf einer düsteren, verschatteten Bühne anzusiedeln, ist eine formale und metaphorische Anspielung auf die verschiedenen Formen von Dunkel und Widerspruch, während die Hunde unterdessen versuchen, die Grenze zum Un-Menschlichen zu definieren.

Diese ältere Arbeit – ohne Titel (Die Tür und die Hand) – ist vielleicht das poetischste Werk von Muresan. Welche Verbindung besteht zwischen der Darstellung einer Tür und dem Bild einer Hand? Vermutlich dieselbe wie die zwischen einer Parabel und einem Familienbrauch, oder die zwischen einem Nagelloch und einer Narbe. Tatsächlich erzählt der Künstler die folgende Geschichte: Wann immer sich der Sohn hat etwas zuschulden kommen lassen, hat der Vater einen Nagel in die Tür geschlagen; hat der Sohn alles richtig gemacht, wurde ein Nagel entfernt. Heute sind alle Verfehlungen wiedergutgemacht, es steckt kein Nagel in der Tür – die Löcher sind aber nach wie vor da. Sie hinterlassen eine Narbe, rufen die Vergangenheit und die Beziehung zwischen Vater und Sohn in Erinnerung.