Skip navigation.
POMERANZ COLLECTION

VALIE EXPORT

Konfiguration mit schwarzer hand
1972
Silbergelatine-Originalabzug: mit schwarzer Farbe gezeichnete Hand
41,8 x 61,8 cm
Inv. Nr. 129
Photo: © VBK, Wien, 2011

Geboren 1940 in Linz, Österreich
Lebt und arbeitet in Wien, Österreich

Seit den späten Sechzigerjahren hat sich VALIE EXPORT in ihrem Werk auf den Körper fokussiert, um in einer Gesellschaft, die in den Augen der Künstlerin durch einen falschen Egalitarismus in der Geschlechterfrage gekennzeichnet ist, Widersprüchen sowie direkter und indirekter Gewalt gegen Frauen den Kampf anzusagen. Die Performance bietet ihr dabei eine Möglichkeit, physische und psychische Grenzen zu untersuchen und sexistische Ideologien zu destabilisieren.

Auf der Fotografie VALIE EXPORT – SMART EXPORT, eine ihrer wichtigsten Arbeiten, hält die Künstlerin dem Betrachter eine Packung Zigaretten entgegen – ihre damalige Marke, Smart Export –, auf die sie ihr Porträt gedruckt hat. In Anlehnung an die Zigarettenmarke, verstanden als männliches Attribut, entstand der Künstlername VALIE EXPORT, stets in Versalien zu schreiben, um, wie die Künstlerin sagt, „mich zu exportieren“, „raus aus dem sicheren Hafen“, und gegen den herrschenden Machismo der österreichischen Gesellschaft und des Wiener Aktionismus anzukämpfen. Diese Arbeit – das Branding ihrer selbst – ist das Symbol eines gewaltigen Maßes an Selbstbestimmtheit in ästhetischer, sozialer und politischer Hinsicht und wurde zum Logo der Künstlerin.

In ihrer Performance Aus der Mappe der Hundigkeit, 1968, führte VALIE EXPORT ihren Partner Peter Weibel an einer Leine durch die Straßen Wiens, sehr zum Unbehagen und zur Verwirrung der Passanten. Mit der Aktion, die in Videoaufnahmen und Fotografien überlebt hat, wollte die Künstlerin das Verhältnis zwischen den Geschlechtern als Machtspiel vorführen, indem sie die Befreiung der Frau von männlicher Unterdrückung übersteigerte.

Im Rahmen ihrer Performance Aktionshose: Genitalpanik aus dem Jahre 1968 betrat VALIE EXPORT mit einer im Schritt offenen Hose ein Münchener Kino – vermutlich ein Pornokino – und ging mit auf Augenhöhe exponierten Genitalien durch das Publikum. Auf den Schwarz-Weiß-Fotografien, die ein Jahr später im Kontext dieser Aktion aufgenommen wurden, sieht man die Künstlerin mit breit gespreizten Beinen auf einer Bank sitzen – die Hose ist an den Genitalien eingeschnitten –, ein Maschinengewehr im Anschlag. Die hier implizite Gewalt lässt an Guerillakriege und Revolutionen denken, relevante Themen jener Zeit. EXPORT ließ das Foto im Siebdruckverfahren als Poster drucken, um es öffentlich oder in Straßen anzubringen. Sowohl die Performance wie auch die Drucke sollten als Denkanstoß dienen, um sich die passive Rolle der Frau im Film bewusst zu machen, und sie sollten den privaten Charakter der Sexualität dem öffentlichen dieser Bilder, deren Sinnbildhaftigkeit durch das Phallussymbol der Waffe noch verstärkt wird, gegenüberstellen.

Drei Jahre lang, in zehn europäischen Städten, fand VALIE EXPORTs Aktion Tapp und Tastkino statt, dokumentiert mittels Video und Fotografie. EXPORT trug eine Holzkiste mit einem Vorhang am Oberkörper und lud Passanten ein, hineinzugreifen und die Brüste zu berühren. Wie bei Aktionshose: Genitalpanik zwang auch Tapp und Tastkino zu einer intimen Begegnung mit dem weiblichen Körper, und dies in der Öffentlichkeit.

Im Jahr 1973 schrieb VALIE EXPORT am Wiener Südbahnhof mehrmals den Begriff „Schriftzug“ auf einen Waggon der zweiten Klasse der ÖBB, der ihr gewissermaßen als Schultafel diente. Aus der minimalistischen Performance resultiert eine Serie von vier Fotos, die den abfahrenden Zug samt der schwindenden Nachricht zeigen.

Das Bild Konfiguration mit schwarzer hand zeigt die Künstlerin bei einer Performance, bei der eine Hand in groben Zügen und vergrößert an einer Wand nachgezeichnet ist, während sie ihre eigene Hand daneben an die Wand hält. Diese Aktion zwischen Wirklichkeit und Darstellung verweist auf die Nachhaltigkeit der parietalen Geste, die uns zurück zum Ursprung bringt, und auf die choreographierte Geste, die uns den Geist der Zeit näherbrigt.